RadioTatort: „Currykill“

Ich melde mich zum neuen Jahr mit einer kleinen Kurzkritik zu dem zuletzt von mir mit Begeisterung gelauschtem Tatort für Audiophile zurück. Man kann natürlich sagen, was ist ein Tatort ohne sichtbare Tat und ohne sichtbares Blutvergießen? Aber im Hörspielgenre geht es an der Stelle nicht immer um Brutalität und den Standard-Mord, sondern häufig viel mehr um die Figuren und „Typen“ die darin herumwuseln. Es gibt auch richtig spannende Tatorte für die Ohren, die ich auch noch in Angriff nehmen werde, wenn ich sie mir noch mal angehört habe. 🙂 Nun aber zum eigentlichen Thema:

„Currykill“, so heißt der Tatort, spielt mal wieder in der Metropole Westfalens, nämlich in Hamm, wo die KFPB, die kreisfreie Polizeibehörde ermittelt. Es herrschen Spannungen in der KFPB, denn die meisten sind nicht freiwillig bei dieser Polizeistelle: Lenz ist Alkoholiker, Scholz ist ein spielsüchtig und arbeitsfaul, Vorderbäumen ist zwangsverrentet und klagt in der 24. Instanz dagegen an. Latotzke ist das Ruhrpott-Unikat und als einziger freiwillig bei dieser Einheit, da er gebürtiger Hammer ist. Hier ist natürlich einiges als Munition in der Luft, es werden kleine Spitzen und große Spitzen losgelassen. Das wird stellenweise so skuril, dass der eigentliche Plot, nämlich der Irre, der die Pommesbuden in die Luft jagt, in den Hintergrund gedrängt wird. Für manche mag das ganze etwas zu klamaukig sein, aber ich denke, das grade echte Pott-liebhaber hier ihren Spaß haben werden.

Zudem ist dieses Hörspiel recht hochkarätig besetzt, auch wenn ich jetzt auch als `Hörprofi` nicht die Stimmen rausgehört habe, ist das doch ein kleines Bonbon zu dieser amüsanten halben Stunde, denn so lange dauert dieser Radiotatort diesmal. Besonders hervor zu heben ist die Tatsache, dass der Tatort zunächst retrospektiv erzählt wird, da sich Latotzke mit einem Reporter zum Interview trifft. Nachher wechselt die narrative Zeit dann immer zwischen Echtzeit und Retrospektive, was besonders im Genre Hörspiel schon ein kleines Kunststück ist, da hier die Zeitdarstellung ja nur auf Sprachebene möglich ist.

Genug geschwafelt- einfach mal reinhören.

Hier also die Besetzungsliste und der passende Link zum Download:

Ein kleines Schmankerl aus einem typischen Dialog sei hier vorausgeschickt, als auf dem Schreibtisch des Chefs, die Akte eines vorgeblichen Selbstmords auftaucht.

Latotzke: „Chef, der hing am Strick. Lenz hat den selbst abgeschnitten.“

Chef: „Das weiß ich, das steht ja im Bericht. Aber im Obduktionsbericht steht, der Tote habe ein frisch gebrochenes Bein. Wie erhängt sich nun so einer mit einem Beinbruch?“[…]
VorderBäumen: „Lasst mich mal raten: Lenz hatte wie immer Restblut im Alkohol, Latotzke hat noch nicht gefrühstückt und noch keinen Magen fürn Selbstmörder. Lenz beschließt den Mann abzuschneiden und Latotzke greift nicht richtig zu.“

Latotzke: „Also naja…So ähnlich ….war dat schon. Ich hatte gesagt „auf drei“, dat hat Lenz aber in seinem besoffenen Kopp nich verstanden.“

Lenz: „Sag mal, hackts? ich hab laut und deutlich „drei“ gesagt“

Latotzke: „Man fängt bei „eins“ an, hasse dat immer noch nicht gerafft…“

Von meiner Seite eine echte Hörempfehlung für dieses „Tatörtchen“.

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