Hörspiel-Nostalgie~Manie ~Teil 1 : TKKG oder Klischees soweit das Auge reicht

So…nun wollen wir uns mal mit beinahe chirurgischem Blick die alten Schätzken vonne Jugend vorholen und in der Luft zerreißen oder ein Loblied auf sie anstimmen. Teil Eins dieser kleinen Exkursionen wird DIE Jugendserie der 90er Jahre: TKKG. Natürlich ist die Zielgruppe die eher jugendlicher Natur, also so zwischen 12- 15 Jahren, denke ich. Da ich damit aber groß geworden bin und nun ein bisschen reflektierter zuhöre, möchte ich da mal ein bisschen genauer hinsehen.

Zum Basiswissen, an das sich wahrscheinlich auch noch jeder grob erinnert, der je mit dieser Serie in Berührung kam:

TKKG steht für Tarzan (Tim), Karl, Klößchen und Gaby, die 4 sind gefühlte 20 Jahre lang 14 Jahre alt und leben in einer ominösen Millionenstadt. Dort und in anderen Städten und bisweilen Ländern lösen sie Fälle und machen Verbrecher dingfest. Soweit das Grundlegende. Im Grunde sind die Fälle sogar (für die Zielgruppe) spannend inszeniert und auch die Sprecherleistung ist durchweg gut.

Hört man sich die Hörspiele mit Erwachsenenohren an, so fallen einem jedoch ein paar störende Punkte auf. Tatsächlich werden in diesem Hörspiel, wie in fast keinem anderen, dass ich kenne Klischees und Stereotypen bedient, die wirklich schlimmer nicht sein könnten. Die Bösewichte sehen natürlich immer „verschlagen“, irgendwie „gruselig“ oder „böse“ aus und verfügen natürlich über „Kahlschädel“, „Hakennase“ und „Geiergesicht“. Das sind nun nur Oberflächlichkeiten, doch es geht noch weiter. Die Namen der Bösewichte enden häufig auf die Endung „-ski“ oder „-ske“, was so auf einen slawischen /osteuropäischen Ursprung deutet. Dies ist natürlich der Zeit geschuldet und man muss zur Ehrenrettung des Autors anmerken, dass es in en neueren Folgen nicht mehr ganz so ausufernd der Fall ist.

Die Themen werden häufig noch moralisch aufgeblasen, auch wenn es gerade für dieses Zielgruppenalter sicher  wichtig ist, die Gefahren von Drogen und Waffenmissbrauch oder auch Schieberbanden von Ausländern anzusprechen.

Bezeichnend ist auch, dass die vier so  gut wie überall zusammen auftreten. Es gibt zu Beginn der Serie kaum Momente, wo nicht alle zusammen an einem Fleck sind. Das ist natürlich für die jugendlichen Hörer schön, weil es das Gefühl der Verbundenheit und Freundschaft deutlicher rüberbringt und nebenbei natürlich die Komplexität gering hält, da nicht zu viele Handlungsstränge entstehen können.

Die Charakterbesetzung in den Hauptrollen ist natürlich auch stereotyp:

Tarzan ist der offensichtliche Held. Er kann Erwachsene schwindlig reden, böse Buben bedrohen und einschüchtern und natürlich so ganz „nebenbei“ das eine oder andere Problem mit Judo lösen. Das ist sowieso das Lösungsmodell á la Tarzan: Den Gegner reizen bis er zuschlägt und dann mit Judo kontern. Es vergeht keine Folge in der die Judokünste nicht zum Einsatz kommen und er dafür gefeiert wird.Dennoch kommt er hin und wieder weich und schüchtern rüber, wenn es um seine Beziehung zu Gaby geht. Dort ist er plötzlich zurückhaltend und vorsichtig. Bei Tarzan hat der Autor offensichtlich am häufigsten in den Farbkasten der Charaktereigenschaften gegriffen, während die anderen sich eher mit Abtönungen des gleichen Farbtons begnügen mussten.

Klößchen ist nicht nur körperlich verfressen sondern auch geistig etwas sehr behäbig. Das liebe Schwergewicht versteht die Zusammenhänge erst nach mehrmaligen Nachfragen und benimmt sich natürlich bei anderen Leuten auch etwas flegelhaft, weil er ständig Hunger hat. Das ist schon fast ein Running-Gag.

Ebenso Karl, der leider häufig viel zu kurz kommt. Er ist der Wissenslieferant, wenn Tarzan nicht mehr weiter weiß. Dann hat Karl ein Buch gelesen oder schon mal was von irgendwas gehört, das grad weiterhilft. Aus dieser Rolle könnte man schon mehr machen, wenn man das Rudelprinzip etwas aufweichen würde und den einzelnen Charakteren mehr Autonomie zutraut. Auch dieser Schritt scheint mir in den späteren Folgen durchaus vollzogen zu werden.

Tja und da wäre natürlich noch Gaby. Gaby ist die Tochter von Kommissar Glockner und für das soziale Gewissen der Gruppe zuständig. Wenns um moralische Entscheidungen und /oder um Tiere geht, ist Gaby vorn dabei.Ansonsten ist sie dafür da, um „gegen ihre Ponyfransen zu pusten“ oder sich von Tarzan „für ihren neuen Pulli“ bewundern zu lassen. Häufig ist sie es die irgendwelche Informationen von „ihrem Papi“ hat. Man fragt sich, wie viele Stunden der Tag der Gaby Glockner hat, wenn sie in die Schule geht, dann bei ihrem Papa irgendwelche Infos aufschnappt und noch mit den Jungs um die Häuser zieht. Wobei: Unnötig zu erwähnen, dass Gaby immer zurückstecken muss, wenn es mal wieder wirklich spannend wird, denn das ist „nichts für Mädchen“ oder noch schöner aus Tarzans Mund: „Das ist Männerarbeit“. (und das von einem 14 jährigem).

Trotz der für Erwachsenenansprüche natürlich viel zu seichten Fälle wird in den Folgen auch häufig etwas Wissen vermittelt, wodurch ein gewisser Mehrwert nicht ganz von der Hand zu weisen ist.

Aus Nostalgie kann man sich die Folgen aber immer mal wieder zu Gemüte führen.

Soweit meine Beurteilung des Nostalgie-Manie Teil 1.

Viel Spaß beim Hören dieser alten Klassiker.

 

Eure Kaylee

Advertisements

2 Kommentare zu “Hörspiel-Nostalgie~Manie ~Teil 1 : TKKG oder Klischees soweit das Auge reicht

  1. pintman2 sagt:

    Interessante Zusammenfassung. Eine Analyse auf der Metaebene, also unter Berücksichtigung von Geschlechterstereotypen oder Rassismus, könnte die Serie auf für Erwachsene wieder interessant erscheinen lassen.

    Gibt es denn eine Entwicklung über die Zeit?

    • kaywinnitlee sagt:

      Diese Entwicklung recherchiere ich grad mal…dafür muss ich natürlich die Hörspiele mal in der passenden Reihenfolge hören. Daher kanns n Momentchen dauern…aber ich bin dran!:)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s