Schon über der Hälfte des Versuchs….und was kommt danach?

Im großen Ganzen ist der Monat ja schon fast rum und natürlich stellt man sich die Frage, was danach werden soll.

Ich habe das schon hin und her überlegt und bin mir noch nicht ganz im Klaren, welche Form es werden wird. Unter Tierrechtsaspekten ist das natürlich die verträglichste Ernährung, die man sich denken kann. Ich bin mir nicht ganz sicher, was an dieser Mangel-Ernährungstheorie dran ist. Es kann sein, dass die Fleischfresser sich damit nur beruhigen, weil sie Tiere für ihre Nahrung töten; andersherum kann es auch sein, dass die Veganer sich die Mangelernährung schön reden.Ich kann das mangels Fachwissen nicht entscheiden und grundsätzlich liegt mir der Grundsatz: jeder wie er denkt, immer sehr nah.

Nach dem Monat kann ich mir vorstellen, in meinem Haushalt relativ vegan zu leben. Also vielleicht den Milchkonsum zu halbieren, nicht 12 Packungen Käse im Kühlschrank zu deponieren und alles mit Sahne und Ei anzudicken und mit Käse zu überbacken. Haben wir zwar vorher auch nicht gemacht, aber vielleicht kann man das noch mal kritisch prüfen.Aber zu Weihnachten möchte ich „vernünftige“ Kekse backen, in die dann auch mal ein Ei kommt. Oder auch in die Torten, die man für Geburtstage backt.Eventuell greift man auch auf Milch vom Bauern im Nachbarort zurück, wenn sich das wegmäßig machen lässt. Dann sieht man die Kühe noch und bekommt frische, unpasteurisierte Milch und Joghurt.

Auch wenn wir mit Freunden Essen gehen, würde ich sicherlich vegetarisch essen, ohne explizit auf ein veganes Lokal zu bestehen. Wir haben im Freundeskreis ein paar Nahrungsmittelunverträgliche, die aus gesundheitlichen Gründen aufpassen müssen. Denen ist die Vorfahrt zu geben, weil es bei unserer Lebensstrategie ja „nur“ um Idealismus geht.

Meine Erfahrung mit dem bisherigen Monat ist, dass mir Arbeitskollegen, Familie und ein paar Freunde zu verstehen gegeben haben, dass sie Vegetarismus ja noch „nachvollziehen“ könnten, aber Veganismus nicht.Das halten die meisten für: ungesund, umständlich, unnatürlich und unspaßig.

Gut, gemäß dem Grundsatz : Mach du was du willst, ich mach was ich will, müssen sie das auch nicht gut finden. War ja auch nicht meine Absicht. Ich will ja niemanden missionieren oder ihm ein schlechtes Gewissen machen. Ich bin sogar bewusst Diskussionen aus dem Weg gegangen, die mit „Tiere sind nun mal zum Essen da“ und „das war schon immer so“ angefangen haben. Interessant wird es aber, dass man sich schon durch stummes Handeln provoziert fühlen kann.

Einfachstes Beispiel aus dem letzen Jahr:

Ich grille seit einigen Jahren recht gemüsereich und hatte auch schon einige „ich bin jetzt Vegetarierin“- phasen. Allerdings war das nicht wirklich von Dauer, wenn es so radikal verkündet wurde.

Da lege ich also meinen Gemüsespieß auf den Grill und prompt kommt „Bist du Vegetarier?“. Die Frage ist ja erstmal nicht schlimm. Ich sage meist: „Naja, ich steh nicht so auf Fleisch und das ist jetzt schon das xte Grillen diesen Sommer.“ Also eigentlich ist das Gespräch dann auch schon vorbei, weil ich ja nix gesagt habe, was irgendwie nach „Du musst das auch machen. Dass du Fleisch isst, finde ich doof. “ geklungen hat. Aber nein. Jedes Mal kommt das Gegenüber mit Sätzen wie: „ich esse ja auch wenig Fleisch“ oder „Ich achte auf artgerechte Haltung“. Wirklich jedes Mal. Ohne dass ich je jemanden bekehren wollte…in anderen Dingen, wie zum Beispiel Sport kann das schon mal vorkommen, aber beim Essen habe ich noch niemanden „vergewohltätigt“. Ist erstaunlich…oder? Da fühlt sich der Fleischesser vom Vegetarier provoziert, sich zu rechtfertigen.

Und ähnlich ist es jetzt auch in diesem Monat. Allerdings steigt die Eskalationsstufe, so dass ich mich jetzt schon für meine nicht vorhandenen Kinder äußern sollte, ob ich dann auch die Kinder vegan ernähren würde. Ich halte es da wie mit der Kirche: Was vielleicht für mich funktioniert, muss für Kinder nicht gut sein. Warum auch über ungelegte Eier sprechen? Auch die Ernährung eines Kindes muss nicht minutiös bis zum 18 Lebensjahr von Ideologien bestimmt werden. Hauptsache- gesund!:)

Unterm Strich ist dieser Monat in sofern lehrreich gewesen, als das man mehr über das nachdenkt, was man zu sich nimmt. Du bist in der Stadt und hast plötzlich Hunger-da wo früher mal eben schnell ne Currywurst runter gewürgt wurde, sucht man jetzt evtl. den veganen Türken auf oder eine Asianudelbar, um dort Nudeln mit Gemüse zu essen. Das macht auf der einen Seite natürlich einen Stadtbummel etwas schwieriger, führt auf der anderen Seite aber wirklich auch radikal dazu, einfach mal festzustellen, wieviel „Mist“ man so im Gehen zu sich nimmt. Die Käsebrötchen, die überbackenen Käsestangen, die buttergetränkten Gebäckwaren, Döner, Pizza, Pommes. Insofern hat dieser Monat schon viel gebracht. 🙂

Meine feste Überzeugung ist NICHT, das jeder jetzt ein vegane Leben beginnen soll, weil es das nonplusultra und völlig ohne Nachteile ist. Das ist es nicht, denn nicht zuletzt ist auch hinter der veganen Lebensweise eine Lobby und ein Markt, der eigene Interessen hat.

Allerdings kann es nicht schaden, wenn man seine eigene Ernährungsweise mal überprüft und auch wenn ich jetzt nicht 100% vegan lebe, sondern nur in Ausschnitten, bilde ich mir ein Einfluss zu haben. Wenn ich sonst 100 l Milch und 15 kg Käse und Wurst im Monat gegessen und getrunken habe und durch gewisse Umstellungen (ich sage bewusst nicht Einschränkungen) nun nur noch 50l und 2kg Käse und Wurst, dann ist doch definitiv weniger gekauft worden und ich denke schon, damit dann als positiven Nebeneffekt auch Tierleben gerettet zu haben.

Es ist natürlich utopisch heute damit anzufangen und zu denken, dass es morgen es keine qualvolle Tierhaltung mehr gibt. Aber wie bei so vielem ist auch dies eine Graswurzelbewegung. Die Zeit wird es bringen.

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Ein Kommentar zu “Schon über der Hälfte des Versuchs….und was kommt danach?

  1. […] vorbei. Ich kann sagen, dass ich das in der Summe gar nicht so schlimm fand. Das meiste hab ich ja hier schon […]

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